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Pius Strobl

ORF

by Christian Clerici I Lesezeit: 8 Min I November 2023

ORF – Elektrisch wie wir!

Das ORF Zentrum am Küniglberg in Wien ist ein Ort an dem seit dem Jahr 1972 Österreichische Mediengeschichte geschrieben wird. Von Roland Rainer entworfen, steht es heute unter Denkmalschutz und strahlt nach der Renovierung fast schon unverschämt weiß im sonnigen Herbstlicht, als wir uns beim Portier zum Gespräch mit Pius Strobl ankündigen.

Für mich ist es wie eine Zeitreise dieses Gelände zu betreten, 1989 habe ich hier meine Medienkarriere gestartet, damals noch mit einigermaßen seltsamen Frisuren und in völliger Unkenntnis darüber, dass ich eines Tages zurückkehren würde, um zu ergründen, was den öffentlich-rechtlichen Sender dazu bewogen hat, über sechzig Elektroautos bei uns im Abo zu nehmen.

Der Portier fragt mich ob ich schon mal hier gewesen bin. „Mein halbes Leben lang“, antworte ich und schaue in ein verwirrtes Gesicht. Ja, ich weiß, mein Humor ist nicht jedermanns Sache.

Wie ein Fremdenführer erkläre ich den jungen Kollegen die mich begleiten, wie die Welt damals zur Zeit der Jugendsendung X-Large funktionierte. Wo wir mit viel Selbstbewusstsein, aber natürlich halblegal unsere identitätsstiftenden Verbrenner am Gelände abstellten und bereit waren der Welt einen Haxen auszureißen.

Und ich erzähle ihnen von Pius Strobl mit dem wir zum Interview verabredet sind, Mitbegründer der Grünen, Medienmanager, Unternehmenssprecher des ORF und heute eben dort Hauptabteilungsleiter der Generaldirektion Facility Management, verantwortlich für die Corporate Social Responsibility. Einer der nicht nur die Geschichte des Hauses kennt wie kein zweiter und jüngst vom Bundespräsidenten den Berufstitel Professor verliehen bekam, sondern der als Gesamtprojektleiter des Medienstandortes auch dessen nachhaltige Zukunft im Blick hat.

AN DEM SONNIGEN TAG UNSERES BESUCHS STIFTEN JEDOCH NUR DAS BRANDING DES HAUSES…

… UND EIN SKODA ENYAQ VON VIBE IDENTITÄT AUF DER TEICHEBENE. UND DAS AUCH NUR AUSNAHMSWEISE.

The Times They Are a-Changin’

Heute darf nur noch der Generaldirektor vor dem Haupteingang parken, das ganze Gebäude ist Klimaaktiv Gold zertifiziert, die Umstellung des Fuhrparks auf alternative Antriebe in vollem Gang und wenn wir nicht aufpassen, reißt die Welt UNS einen Haxen aus.

Für einen Austausch dieser Art ist Pius genau der Richtige, nicht nur kennt er jeden Winkel des Gebäudes im Metaphysischen in und auswendig, sondern hat es sich als Gesamtprojektleiter des Medienstandortes auch zur Aufgabe gemacht, den ökologischen Fußabdruck der ehrwürdigen Hauses zukunftsfähig zu gestalten. Wenig überraschend, dass es sich nicht als leichte Aufgabe herausgestellt hat, die Sanierung eines unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes mit weitreichenden Energiesparmaßnahmen zu kombinieren. „Unmöglich“ war ein damals oft vernommenes Wort in Zusammenhang mit dem 300-Millionen-Euro-Projekt.

„Wir sind ein technologiegetriebenes und damit Energie-intensives Unternehmen. Wir verbrauchen im Vergleich ungefähr die Energie von Eisenstadt.“

Pius Strobl

Umso schöner, wenn einem die unmögliche Aufgabe dann trotzdem gelingt und man nach getaner Arbeit an so einem Standort – der mal eben so viel Energie verbraucht wie ganz Eisenstadt – dann auch noch gut 40% Wärmenergie einspart. Wie der Volksmund zu sagen pflegt: Des is‘ ka Lercherlschas.

GOLD STANDARD MIT ZUKUNFT: JEDES RENOVIERTE ODER NEU ERRICHTETE GEBÄUDE AM STANDORT KÜNIGLBERG ENTSPRICHT DEM HÖCHSTEN STANDARD VON KLIMAAKTIV.

Erst haben wir ein paar alte Geschichten gewälzt. Dann über Nachhaltigkeit und Transformation in Zeiten der Mobilitäts- und Energiewende gesprochen. Gerade Transformation ist ein Begriff, der aktuell in jedem Bereich des Unternehmens vermutlich häufig fällt. Sei es inhaltlich in der Auseinandersetzung mit Herausforderungen wie dem Einsatz von künstlicher Intelligenz in der Medienwelt, oder unternehmerisch, wenn man die veränderten Ansprüche und Bedürfnisse von Mitarbeiter:innen und die Umstellung des Fuhrparks auf umweltfreundlichere Elektrofahrzeuge bedenkt.

Heutzutage lauten nämlich die ersten Fragen eines Bewerbers im ORF-Assessment Center nicht mehr „Wieviel verdiene ich?“ und „Wie sieht es mit einem Firmenwagen aus?“, sondern sie betreffen viel mehr Themen wie die home office-Regelung, Weiterbildungen, Kinderbetreuung oder Mobilitätsangebote, die einen Firmenwagen manchmal gar nicht beinhalten. Der neue Typus Mitarbeiter will lieber im Bedarfsfall auf ein Pool-Fahrzeug zurückgreifen können, wenn er oder sie es für einen entsprechenden Dienstweg braucht – aber auch dann will niemand mehr in einen alten Diesel einsteigen.

PIUS BERICHTET ÜBER DAS NEUE BEWUSSTSEIN DER ORF-MITARBEITER, DAS ER UND SEIN TEAM INS SEIN UMSETZEN.

Old school meets new school

Die Denke der Mitarbeiter befindet sich derzeit in einem starken Wandel. Auf der einen Seite steht die alte Garde, denen der Firmenwagen und ein guter Parkplatz als Statussymbole (und sicher auch aus praktischen Gründen) noch immer viel bedeuten, auf der anderen Seite stehen die jungen (und gar nicht mehr so wilden), für die ein Betriebskindergarten oder ein Jobticket tausendmal mehr wert sind, als ein Stern auf der Motorhaube oder ein Propeller im Kühlergrill. Und einen Parkplatz brauchen sie höchstens für ihr Fahrrad.

„Betriebliche Mobilität ist Teil deiner Arbeitsplatzkultur.

Pius Strobl

“Es gilt beide Gruppen von der Fuhrparkumstellung zu überzeugen – doch wie soll man das schaffen? Selbst der oder die „militanteste“ Radfahrer/in wird in einem Job beim ORF nicht umhinkommen, irgendwann mal in ein Auto steigen zu müssen, damit der Job auch erlediget werden kann. Mit einem Elektroauto kommt man so jemanden gefühlt zumindest auf halbem Weg entgegen.”

Und genauso wird auch der klassische „Benzinbruder“, der am liebsten sogar den morgendlichen Weg zum Bäcker mit einem apokalypsefähigen Allrad-Diesel samt Traktionssperre, hochgelegtem Ansaugschnorchel und Spike-Bereifung zurücklegen würde, die Zeichen der Zeit erkennen und mal was anderes ausprobieren müssen,

“und seien wir mal ehrlich: nach einem beherzten Tritt aufs Strompedal, ist der vermeintlich leistungsstarke Diesel von gestern doch selbst beim stursten aller Benzinbrüder bald in Vergessenheit geraten.”

So könnte das Elektroauto, früher gerne zum Gesellschaftsspalter erklärt, gerade in diesem Zusammenhang doch fast schon zum Brückenschlager zwischen old und new school geadelt werden.

DER KÜNIGLBERG IST IMMER GUT FÜR ELEKTRISIERENDE BEGEGNUNGEN.

Nutzen statt Besitzen, Service statt Kümmern

„Meine Leute sagen mir, so eine hohe Servicequalität haben sie eigentlich noch nie erlebt.

Pius Strobl

Und da kommen wir ins Spiel, denn glücklicher Weise für uns, geht es beim ORF eben noch nicht ganz ohne Autos ab. Einerseits hat ja dann doch auch ein relevanter Anteil der rund 3.000 Mitarbeiter keinen Zugang zu sinnvollen öffentlichen Verkehrsmitteln und andererseits findet nicht jede Berichterstattung neben einer Wiener U-Bahn-Station statt. Dementsprechend betreibt der ORF einen durchaus beachtlichen Fuhrpark, der jetzt sukzessive auf Elektroantrieb umgestellt wird.

GROSSE VISIONEN PASSEN IN JEDE ZEIT. DAS WUSSTE OFFENSICHTLICH AUCH ARNULF RAINER.

Öffentlich-rechtlich wird öffentlich elektrisch

Wir plaudern auch mit Richard Krebs, Leiter der ORF Services, und Alexander Czerny, Garagenmeister am Standort Küniglberg, und erfahren interessante Insights, nicht nur über den realen Aufwand in Form von Fahrzeugbeschaffung und Aufbau von Ladeinfrastruktur an allen Standorten, sondern auch den weniger greifbaren, aber für das Fuhrparkmanagement nicht unerheblichen Aufwand der Mitarbeiter-Betreuung. Die Umstellung auf ein Elektroauto ist zwar keine rocket science, aber ein gestresster Mitarbeiter, dem es am Ende des Tages vielleicht noch egal ist, aus welcher Energiequelle sein Antrieb gespeist wird, möchte natürlich keine Minute darauf verschwenden, sich mit den kleinen Unterschieden in der Bedienung eines modernen Autos vertraut zu machen. Trotzdem erzählt uns Richard etwas, das nur zu vertraut klingt:

Das Stöhnen VOR der ersten elektrischen Fahrt ist immer groß, die Erkenntnis DANACH erhellend. Wer es einmal ausprobiert hat, möchte in der Regel nichts anderes mehr“.

CHRISTIAN MIT RICHARD KREBS (LI) UND ALEXANDER CZERNY (RE) BEIM FACHSIMPELN ÜBER DIE GROSSEN UND (VERMEINTLICH) KLEINEN HERAUSFORDERUNGEN BEI EINER FUHRPARKUMSTELLUNG.

Das freut uns natürlich besonders, weil es gut zeigt, wie weit Elektromobilität in so kurzer Zeit gediehen ist, wenn Menschen trotz anfänglicher Skepsis in der Praxis problemlos mit dem alternativen Antrieb zurechtkommen. So ein Feedback ist aber auch insofern interessant, als wir es in unserer bubble ja meist recht gemütlich haben. Unsere Community verwöhnt uns bisweilen nämlich recht gern. Sei es, weil ein Teil von ihnen ohnehin schon perfekt auf ihr jeweiliges Modell vorbereitet zur Fahrzeugübergabe kommt, oder aber weil praktisch alle mit einem positiven Mindset bei unsaufschlagen. Wir bekommen da stets die besten vibes – von den besten Kunden der Welt. Das macht uns die Aufgabe natürlich leicht – und das Leben noch ein bisschen schöner.

„In der öffentlichen Bewusstseinsbildung ist es auch ein Aspekt, dass du nicht nur in deinen Nachrichten und Magazinen die Bedeutung von Nachhaltigkeit und gewissen Problemstellungen hervorheben kannst – du musst die entsprechenden Maßnahmen auch selbst leben.“

Pius Strobl

BEI SO GUTEN VIBES AM KÜNIGLBERG LACHT DIE SONNE EXTRA BREIT. UND DER CHRISTIAN AUCH.

Sehen und gesehen werden

Aber das ist eben nur ein Teil der Erfolgsgeschichte, vor allem, wenn es um Mitarbeiter geht, die diesen Schritt zur Veränderung nicht aktiv selbst gehen, sondern halt von hinten einen kleinen Schubs brauchen. Umso erfreulicher, dass der Umstieg am Ende auch für sie klappt, denn die Sichtbarkeit eines elektrisch fahrenden ORF-Mitarbeiters darf auf keinen Fall unterschätzt werden.

Die Öffentlichkeitswirkung eines elektrisch fahrenden ORF-Autos und die Message an die österreichische Bevölkerung sind ein Sieg für alle, die die Zeichen der Zeit erkannt haben. Man kann sagen, was man will, aber die physische Anwesenheit des ORF sorgt immer für Aufsehen. Oder wer kennt sie nicht: Die Meldekette, wenn der Ü-Wagen vom öffentlich-rechtlichen in der Gegend ist? Da weiß schon bald die ganze Ortschaft über dessen Eintreffen Bescheid, da hat sich der Ü-Wagen noch gar nicht eingeparkt. Wenn dort dann ein Elektroauto steht, hat das etwas zu bedeuten. Und gerade in einer Zeit, die vom Klimawandel und dessen beginnenden Auswirkungen geprägt ist, ist es eine wichtige Botschaft, die ein öffentlich-rechtlicher – und damit Fakten-verpflichteter – Rundfunk kommunizieren kann und muss.

Wir sind jedenfalls zutiefst beeindruckt, was für Projekte Pius Strobl beim ORF zur Umsetzung bringt und was für einen Impact diese haben. Wir wünschen ihm und seinem Team weiterhin viel Erfolg bei hoffentlich noch vielen „unmöglichen“ Vorhaben!

Epilog

Christian Clerici kennt das Thema Dienstwagen im ORF, obwohl es schon wirklich sehr lange her ist, dass er mit seiner Crew in einem silbernen Polo unterwegs war. X-Large lief Anfang der 90er Jahre, es wäre also nicht erstaunlich, wenn er es längst vergessen hätte. Aber wie das halt so ist in Prägephasen: Manches brennt sich förmlich ins Gedächtnis ein. Vor allem die Momente in denen man Geschichte schreibt. Und alte Fotos wiederfindet.

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